Bachs Matthäus-Passion und Telemanns Brockes Passion

Wie in jedem Jahr, erklingt am Palmsonntag Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion mit dem Chor St. Michaelis unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Christoph Schoener. Das doppelchörige Werk gehört zu den größten Passionsvertonungen der Musikgeschichte.

Karfreitag erklingt eine sehr selten gespielte hochdramatische Vertonung: Georg Philipp Telemanns Brockes-Passion.

Brockes-Passion in der Vertonung von Georg Philipp Telemann

(von Hauptpastor Alexander Röder)

1712 veröffentlichte der aus wohlhabender Hamburger Familie stammende Dichter Barthold Heinrich Brockes unter dem Titel „Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus“ eine Passionsdichtung, die heute als „Brockes-Passion“ bekannt ist.

Es handelt sich um eine dichterische Meditation des Leidens und Sterbens Jesu, die sich an den Evangelien zwar orientiert, aber nicht dem literarischen Charakter der neutestamentlichen Passionsberichte folgt.

Mit seinem Text, der uns heute in manchen Formulierungen fremd anmutet, traf Brockes Gefühl und Geschmack seiner Zeit, so dass seine Passion von verschiedenen Komponisten vertont wurde. Nach Reinhard Keiser (1712) und Georg Friedrich Händel (vermutlich 1715) präsentierte Georg Philipp Telemann seine Komposition des Werkes 1716 in der Barfüßer-Kirche in Frankfurt/Main.
Brockes zeigte sich bei dieser Premiere seines Werkes in einer Kirche, für die kein Eintritt erhoben werden durfte, als cleverer Geschäftsmann, indem er den Text seiner Passion drucken ließ und den Erwerb des Textheftes für alle Besucher verpflichtend machte.

Die Brockes-Passion ähnelt in ihrem Aufbau dem Passions-Oratoriums-Typus wie er durch die Passionen von Johann Sebastian Bach bekannt ist: Rezitative des Evangelisten wechseln mit „Reden“ der biblischen Personen und Chören. In diesen Handlungsablauf hineingewoben sind das Geschehen meditierende Arien, die von biblischen Personen, allegorischen Wesen oder solchen, die die Gläubigen repräsentieren, gesungen werden. Ob die anwesende Gemeinde tatsächlich in die Choräle mit eingestimmt hat, ist nicht überliefert.

Brockes hält sich aber im Gegensatz zu Bach nicht an die damals übliche Lutherübersetzung der Bibel, sondern bietet den biblischen Text in einer eigenen Fassung. Er ist darauf bedacht, die biblische Überlieferung in poetischen Bildern zu erläutern und auf diese Weise das Leiden Christi zu illustrieren („dem Himmel gleicht sein buntgestriemter Rücken, den Regenbögen ohne Zahl als lauter Gnadenzeichen schmücken“).

Brockes zeigt sich immer wieder als Barock-Dichter und Sprachkünstler und versucht durch dramatische Sprachwendungen den Zuhörer affektvoll in das Passionsgeschehen hineinzuziehen. In dieser Einladung zu persönlicher Meditation und Empfindung bekommt das Werk auch eine pietistisch anmutende Komponente. Dazu gehört die individuelle Buße und die Erfahrung der geistlichen Wiedergeburt ebenso wie die Meditation der Wunden Jesu.

Brockes will tatsächlich die Seele seiner Hörer erschüttern, damit sie dadurch Reinigung und Frieden finden können. Diese theologische Haltung, die das Werk atmet, machte eine Aufführung im Gottesdienst in einer der Kirchen Hamburgs (mit Ausnahme des Doms, der nicht der Aufsicht des Geistlichen Ministeriums unterstand) zu damaliger Zeit unmöglich. Umgekehrt gilt aber auch, dass Brockes eine gottesdienstliche Aufführung seines Werkes gar nicht erwartete. Das Werk wurde in Hamburg im Privathaus Brockes‘, im Remter des Doms, in der Orangerie der Familie Klefeker und im Drillhaus aufgeführt.

Die Aufführung der Brockes-Passion am Karfreitag dieses Jahres in St. Michaelis in der Fassung von Georg Philipp Telemann ist ein großes musikalisches Zeugnis im Gedenkjahr an den 250. Todestag des großen Komponisten, der nicht zuletzt durch den persönlichen Einsatz von Barthold Hinrich Brockes zum Musikdirektor Hamburgs erwählt wurde.

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Palmsonntag, 9. April 2017, 18.00 Uhr

Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion

Thomas Cooley, Evangelist
Halvor Festervoll Melien, Christus
Ilse Eerens, Sopran
Ingeborg Danz, Alt
Jörg Dürmüller, Tenor
Benjamin Appl, Bass

Chor St. Michaelis
Chorknaben Uetersen
Orchester St. Michaelis
(Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters
und des NDR Elbphilharmonie Orchesters u.a.)

Leitung: Christoph Schoener

Pause nach dem 1. Teil, Catering im Gemeindehaus, Ende ca. 21.30 Uhr

Karten: 10,00 bis 53,00 €
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Karfreitag, 14. April 2017, 19.30 Uhr

Georg Philipp Telemann: Brockes-Passion TWV 5:1

Brigitte Christensen, Sopran
Lydia Teuscher, Sopran
Mary-Ellen Nesi, Alt
Lothar Odinius, Tenor
Donát Havár, Tenor
Sebastian Noack, Bass

Chor St. Michaelis
Concerto con Anima
auf Originalinstrumenten
(Konzertmeisterin: Ingeborg Scheerer)

Leitung: Christoph Schoener

Ende ca. 22.00 Uhr

Karten: 8,00 bis 42,00 €

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